Ein wenig Leben

What a reader can always tell is when you are holding back for fear of offending them. I wanted there to be something too much about the violence in the book, but I also wanted there to be an exaggeration of everything, an exaggeration of love, of empathy, of pity, of horror. I wanted everything turned up a little too high. I wanted it to feel a little bit vulgar in places. Or to be always walking that line between out and out sentimentality and the boundaries of good taste. I wanted the reader to really press up against that as much as possible and if I tipped into it in a couple of places, well, I couldn’t really stop it.”

Quelle

Ich bin ja immer etwas skeptisch, wenn Bücher zu sehr gehyped werden, aber in A Little Life von Hanya Yanagihara habe ich etwas erlitten, das ich zuletzt in der Kampfhexalogie von Knausgard erlebt habe.

XII

Übermorgen fahre ich wieder in die Berge. Ich freue mich.

Überhaupt hänge ich weiterhin am Schiller fest, mittlerweile am Spätwerk. Goethe, Wieland und Herder sind inzwischen dazugestossen – das Weimarer Viergestirn. Ich weiss, dass eigentlich Goethe die treibende Kraft in Weimar war, aber der Schiller ist und bleibt mir näher. Goethe wirkt auf mich, mit wenigen Ausnahmen, ein wenig wie Mozart. Faszinierend und abstossend zugleich. Ich bin versucht, beide als „zu laut“ zu bezeichnen.

Langsam taste ich mich wieder an private Lektüren heran. Den Knausgard bewahre ich mir für später auf.

XI

Manchmal rücken die Berge so nahe zusammen, dass ich mich wundere, wie das kleine Tal noch Platz zwischen ihnen findet. Gerne würde ich hier bleiben.

Überhaupt, die Berge. Sie sind so hoch und stehen so andächtig da, als ob sie das Tälchen beschützten.

Ich habe mich sehr darüber gefreut, als ich endlich Zeit hatte, den dritten Band von Knausgards Autobiographie anzufangen. Doch dann kam mir der Schiller dazwischen.

Erst dachte ich, die Kommentarfunktion würde nur meine eigenen Kommentare ins Nirvana befördern, wenn ich sie nicht über das Backend versende. Offensichtlich betrifft es auch Andere. Das tut mir leid, ich kümmere mich darum, sobald wieder etwas mehr Konstanz in meinen Alltag gelangt ist.

Lieben II

Petrarca-Meister: Pyrrho auf stürmischer See (16. Jh.). Quelle: Wikimedia Commons
Petrarca-Meister: Pyrrhon auf stürmischer See (16. Jh.). Quelle: Wikimedia Commons (Anklicken für die Grossansicht)

Ob Pyrrhonismus, also das Misstrauen gegenüber Worten und in seiner Extremform gegenüber der Wahrnehmung, eine Richtung sei, in die sich ein Schriftsteller bewegen solle, fragt Knausgard in Lieben. Dadurch würde ein Nullpunkt erreicht, von dem aus sich der Nullwert ausbreite. Dies sei kein toter Punkt, denn Literatur müsse mehr sein, als Form. Literatur ist das, was sie bei den Lesern auslöse.

Wenn die Bücher, die zu mir kommen, wie die Mützenfalterin in ihrem Lesetagebuch zu Alles hat seine Zeit schreibt, als eine Art Hinweisschild zu verstehen sind, dann beginne ich langsam zu verstehen, was ich von Knausgard lernen soll. Solidität, wie M es nennen würde; der Weg des Nicht-Dazugehören-Wollens, um in den Worten der Mützenfalterin zu bleiben.

Lieben I

Ich kannte mal einen, der sich liebevoll um seine Kinder kümmerte, Hausmann war und nebenher mit x-ten Semester studierte, währenddessen seine Frau Karriere machte. Seine Kinder waren sein Leben. Eine andere Lebensform könne er sich nicht vorstellen, sagte er.

Welch grossen Kontrast bietet Knausgard dazu, der die zeitgenössische Rollenteilung zu leben versucht und doch immer seine Männlichkeit dabei gefährdet sieht.

IX

Das Blog, das mich in den letzten Tagen nur über das Mobiltelefon reinliess und wie die kleine Tastatur die Schreibunlust nur noch förderte. Überhaupt streikt die Technik.

Die Reaktionen der arabischen Medien auf die Anschläge in Paris sind hochgradig erfreulich.

Ich habe es tatsächlich ausgehalten, nachdem ich Sterben abgeschlossen habe, drei Tage zu warten, bevor ich mit Lieben begann. Gestern angefangen zu lesen: in einer Verfassung, als ob ich Entzugserscheinungen hätte.

Immer noch der Wunsch zu schweigen.