Kruso II

Einer der alles um sich herum aufsaugt und erst langsam, endlich!, hier auf Hiddensee anfängt loszulassen, den Schwamm auszudrücken und Eigenes zu entwickeln. Dazwischen immer wieder die Sucht, Trakl und all die Anderen zu zitieren.

Georg Trakl. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Trakl
Georg Trakl. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Trakl

Besonders Trakl, dieser drogensüchtige, weltfremde, verlorene Mann. Er wirkt auf den Bildern wie einer, der es verlernt hat, Hoffnung zu haben. Vielleicht auch als jemand, der nie Hoffnung hatte. Einer, dem die Sprache ein zu schwacher Trost war. Eine Sprache, die zu Lebzeiten kaum ein angemessenes Gegenüber fand. An seiner Beerdigung gab es neben dem Priester und den Friedhofsangestellten nur einen einzigen Gast. Trakl als einer, der nicht nur im Tode verlassen war.

Diesen Trakl, der möglicherweise eine erotische Beziehung zu seiner Schwester hatte, zitiert Ed und findet sein (Trakls) Gegenstück in Kruso. Kruso, dessen Mutter früh verstarb und dessen Schwester ihm fortan Halt im Leben war. Ich lese von dieser zart wachsenden Männerfreundschaft zwischen Ungleichen und frage mich, ob Trakl jemals einen Freund hatte.

Kruso I

«Für andere schwer vorstellbar, dass einsame Menschen überhaupt etwas essen, dachte Ed. Für ihn hingegen war der Hausmeister der einzige wirkliche Mensch in dieser Zeit, einsam und verlassen wie er selbst.»

Neulich habe ich von diesem Ed gelesen, von seiner Einsamkeit, den mitleidigen Blicken, seiner Mutter und musste an diesen Jungen im Studium denken, dessen Namen ich nie kannte. Wie er damals in dieser Bar V und mir etwas erzählen wollte und V, seine einzige Freundin, den Augenblick zerstörte, indem sie jemand anderen begrüssen wollte, währenddessen er nach Worten rang. Wie sie danach nicht verstehen konnte, dass er sich anschliessend weigerte zu erzählen und die Bar verliess. Wie ich nicht in der Lage war zu erklären. Wie die Einsamkeit zu den unsagbaren Dingen gehört.