Väterchen Lenin

Achmatowa. Olga. Immer wieder komme ich auf Olga zurück. Olga, welche den sowjetischen Film zum Fachgebiet erwählt hatte. Ich schaute bei ihr sowjetische Kinderfilme und wir sprachen über politischen Widerstand. Später lasen wir Literatur: Achmatowa, Nabokov und all die Anderen. Sie tadelte nie. Sie lobte, auch dort, wo es nichts zu loben gab. Der Euphemismus. Olgas bester Freund.

Auch hier im Buch kommt wieder Achmatowa. Die Generation der Vegetarier. Und jüdische Familiengeschichte. Eine Geschichte, die aus Listen, vagen Familienangehörigen und unsicheren Zuschreibungen besteht. Der Krieg. Väterchen Lenin, der dem Ich auch nach hundert Jahren einen Zugang zur Geschichte bietet. In einer Familie, die sich um taubstumme Kinder kümmert wird die Tante selbst zur Taubstummen. Das Ich verpasste es Fragen zu stellen.

Geschichte ist, wenn es keine Menschen gibt, die man fragen kann, sondern nur noch Quellen. (S. 23)

Zweifellos, es handelt sich um eine Familiensaga, eine Autobiographie, wenn man so will. Aber auch um erzählte Geschichte.

Vielleicht

Da war dann dieses Buch, als ich dachte, ich sei schon keine Leserin mehr, das mich hineinzog in seinen assoziativen Strudel. Bombardier, ein Wort steht am Berliner Bahnhof und weckt Assoziationen. Das Ich entscheidet sich, da es den jüdischen alten Herrn, der vielleicht nur ein Alter Ego ist, beruhigen will, für die harmlose Erklärung: eine Lüge. Es sei ein Musical aus Frankreich, das allein mit diesem Wort beworben werde. Bombardier. Ich denke an dieses Bomben-Gedicht, das ich nicht mehr finden kann. Assoziativ angelt sich das Ich von Satz zu Satz, schafft Verknüpfungen, um schliesslich bei Google und Gott zu landen.