Thomas Meyer: Rechnung über meine Dukaten

Als der Preussenkönig Friedrich Wilhelm I für sein Altpreussisches Infanterieregiment No. 6, das SALIS_Meyer_RechnungübermeineDukaten_COVERaus langen Kerls besteht, den Riesen Gerlach fängt, beginnt für Gerlach eine Zeit der Zucht und Ordnung. Soldat soll er werden, wie all die anderen langen Kerls, die sich der König gekauft, geraubt, eingetauscht und entführt hat. Bis eines Tages der in Ungnade gefallene Leibarzt des Königs auf die Idee kommt, der König könne sich seine Riesen auch züchten. Betje, die schöne Bäckerstochter, die ebenfalls eine Riesin ist, wird Gerlach gewissermassen ins Bett gelegt und die beiden sollen ein Riesenkind zeugen. Doch der König, der ein kindischer Sadist ist, hat da einige Dinge nicht bedacht.

«Er regierte, wie er stets gelebt hatte: ausgesprochen sparsam. Allerdings nicht aufgrund von Vernunft oder gar zugunsten des Volkes, sondern einzig dem Militär zuliebe, dem er sämtliche freiwerdenden Mittel zukommen liess.»

So weit die Handlung. Unterhaltsam ist die Geschichte zweifellos und auch aus historischer Sicht interessant, wird doch eher als langweilig verschriene Geschichte anschaulich aufbereitet. Auch an den Figuren kann ich kaum etwas aussetzen. Anschaulich sind sie und sogar der König wirkt in seinem Wahn irgendwie sympathisch.

«Nicht immer aber behielt er, was man ihm überbrachte. Hatte ein Riese kein gutes Gesicht, wies der König in pikiert zurück. So einen wollte er nicht in seiner Leibcompagnie.»

Der Autor wertet nicht, ist nicht moralisch, doch das ist auch gar nicht nötig. Dass Menschenhandel verwerflich ist, wird heute kaum jemand bezweifeln. Die preussischen sprachlichen Einsprengsel tragen zum Authentizitätseindruck des Buches bei. Doch gerade durch diese Einsprengsel drängt sich der Vergleich zu Wolkenbruchs wunderliche Reise einer Schickse auf und da wirkt die Rechnung über meine Dukaten beinahe flach. Und dann gibt es wieder Stellen, die ich mir am liebsten an den Kühlschrank hängen würde. Der Anspruch des Buches ist zweifellos ein anderer und deshalb hinkt auch der Vergleich. Nichtsdestotrotz hätte ich mir etwas mehr Tiefgang gewünscht. Als unterhaltsame Lektüre für zwischendurch ist das Buch aber dennoch zu empfehlen.