17.1

Mir ist kalt. In der ersten Nacht überlege ich, meine Sachen zu packen und zu verschwinden, aber es fährt morgens kein Bus. Also bleibe ich. Irgendwann am dritten Tag nehme ich die Kälte nicht mehr wirklich wahr; belustigt beobachte ich, wie der Frost durch das Türschloss kriecht und sich innen an der Türklinke festsetzt. Draussen hat es Minus 20 Grad. Eisblumen finde ich schön. Die Gänge zum Aussenklo werden Normalität. Danach wärme ich mich eben am Kachelofen auf. Oder auch nicht. Überhaupt wird der Kachelofen zu meinem besten Freund. Ich versuche, nicht zu viele Kohlen zu verbrauchen. Irgendwann werden 15 Grad Luxus, bei 9 ziehe ich mir eben eine Strickjacke über den Pullover an.

Meine Komfortzone erweitert sich stetig. Noch etwas spüre ich: Dankbarkeit. Ich bin dankbar dafür, hier zu sein – an diesem Ort, von dem ich flüchten wollte. Ich bin dankbar für die wohlige Kachelofenwärme. Dankbar bin ich auch für gute Gespräche, das einfache Essen und die Ruhe. Überhaupt hat die Ruhe eine besondere Wirkung auf mich. Mein Rhythmus verlangsamt sich, ruhiges Dasitzen erfüllt mich nicht mehr insgeheim mit schlechtem Gewissen.

Seit einer Woche habe ich nicht mehr in den Spiegel geschaut. Es gibt einen, wie ich irgendwann festgestellt habe, aber es ist nicht mehr wichtig, wie ich aussehe. Überhaupt ist nichts mehr wichtig. Nur wahrnehmen. Einatmen, ausatmen und schauen was kommt.

XXI

Vermutlich bin ich die schlechteste Bloggerin der Welt. Währenddessen ich literarisch weiterhin Irrtümern aufsitze und auf meine Diplomprüfung lerne, gibt es hier ein bisschen gefrorene Schneeflocken. Gewissermassen als Winterersatz bei diesem frühlingshaften Winterhudelwetter.

Überhaupt ist die Website dieses polnischen Künstlers sehr lohnenswert.